Die Geschichte von "Little Hope"
Hier möchte ich Euch eine Geschichte zum Thema Tierhandel erzählen, wie sie trauriger nicht sein könnte. Es gibt in der Gegend, in der ich wohne einen recht großen Tierfachhandel, den ich öfters besuche, weil es dort die schönsten Golliwoogs gibt. Und weil ich ja schon mal da bin, gehe ich natürlich auch regelmäßig in der Terraristikabteilung vorbei und schaue mir die Tiere dort an. Bereits vor einigen Monaten fiel mir dabei ein recht hübsches kleineres Bartiweibchen auf. Sie war trächtig und gerade dabei, in dem spärlich mit Sand bedeckten Terra Löcher zu graben. Ich machte den nächstbesten Verkäufer, der mir über den Weg lief, darauf aufmerksam, dass dem Weibchen eine Möglichkeit zur Eiablage gegeben werden sollte. Dieser meinte, er würde heute noch zusätzlichen Sand in das Terra einbringen und es wäre schon alles ok. Dem Weibchen fehlte ein Hinterbein, sie wirkte sehr erschöpft. Sie sollte 149 Euro kosten, was mir ehrlich gesagt "etwas" zu viel erschien...
Zwei Tage später war ich wieder dort, denn ich wollte schauen, ob das Weibchen mittlerweile seine Eier abgelegt hatte. Natürlich war kein zusätzlicher Sand im Terra zu finden. Das Weibchen lag unter einer Wurzel und hatte die Augen geschlossen. Das Thermometer, welches in dem Terra angebracht war, zeigte 45 Grad C an!! Wieder schnappte ich mir einen Verkäufer und machte ihn darauf aufmerksam, dass die Temperatur im Terra viel zu hoch sei. Mir wurde gesagt, das wäre schon ok so. Die Tiere kämen ja schließlich aus einer sehr warmen Gegend. Also zog ich wieder ab, ohne etwas für das arme Tier erreicht zu haben.
In den nächsten Tagen entschied ich mich, das Tier zu kaufen, obwohl natürlich total überteuert. Also steuerte ich wieder zum besagten Tierfachhandel und suchte das besagte Terra auf. Das Weibchen lag wieder unter der Wurzel und hatte die Augen geschlossen. Sie war immer noch trächtig. Als ich meinen Kaufwunsch äußerte, wurde mir gesagt, dass man zum Wohle des Tieres dieses vor der Eiablage nicht abgeben würde. Ich erwiderte, dass ich kein Neuling wäre und die Eier nach der Ablage gerne vorbei bringen könnte. Darauf ging man nicht ein, so dass ich an diesem Tag unverrichteter Dinge wieder abziehen musste. Nicht aber, ohne den Verkäufer darüber zu informieren, dass irgendetwas mit dem Tier nicht stimmen würde, da es jetzt schon beim zweiten Besuch die Augen nicht öffnete. Die Antwort des Verkäufers: "..die döst halt"... Ich bat mir das Weibchen zu reservieren und mich anzurufen, wenn das Tier abgabebereit sei.
Bei meinem nächsten Besuch hatte das Weibchen die Eier gelegt. Sie sah sehr schlecht und erschöpft aus. Wieder wollte man mir das Tier nicht mitgeben, mit der Begründung, sie müsse jetzt erstmal zu Kräften kommen und aufgefüttert werden. Ich war dann doch schon ziemlich genervt von dem ganzen Laden und habe meine Reservierung wieder zurück genommen.
Danach war ich ungefähr drei Wochen nicht mehr dort, aber das kleine Weibchen ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Also fuhr ich wieder hin. Das Tier lag wieder unter seiner Wurzel. Sie sah furchtbar aus: abgemagert, ausgetrocknet und absolut apathisch. Ich bat darum, sie einmal rausnehmen zu dürfen. Sie lag absolut kraftlos in meiner Hand, komplett dehydriert und eiskalt. Ich sagte dem Verkäufer, dass das Tier krank sei, aber er meinte nur, das Weibchen würde jetzt Winterruhe halten und wäre deshalb so schläfrig. Bei der Gelegenheit erfuhr ich dann auch, dass das arme Tier seit einiger Zeit keine Insekten mehr zu Fressen bekam. Der Golliwoog, der im Terra stand, war aber bis auf den Wurzelballen abgefressen...
Gestern, am 16. Oktober, habe ich das Tier gekauft und bin direkt zu meinem Tierarzt gefahren, der glücklicherweise nur wenige Kilometer entfernt seine Praxis hat. Das Weibchen wiegt derzeit 124 Gramm, ist stark vermilbt und - wie bereits erwähnt - komplett dehydriert. Eine Kotprobe konnten wir keine entnehmen, da der Darm vollkommen leer war. Es ist aber davon auszugehen, dass sie auch voller Darmparasiten steckt. Das werde ich euch später berichten, sobald ich eine Kotprobe zum Tierarzt bringen kann. Erstmal bekam sie eine Spritze gegen den Milbenbefall und Flüssigkeit in Form eines speziellen Aufbaupräparates.
Neben der Flüssigkeit, die ich ihr zweimal am Tag ins Maul spritze, gebe ich ihr Mehlwürmer zum Fressen. Ich weiß zwar, dass Mehlwürmer kein geeignetes Futter für Bartagamen sind, aber etwas anderes kommt momentan gar nicht in Frage, weil das Tierchen viel zu schwach zum Jagen ist. Würde ich sie nicht an die Schüssel mit den Würmern setzen, würde sie noch nicht einmal diese fressen.
Derzeit ist es absolut fraglich, ob ich das Weibchen durchbringen werde. Hier noch ein Foto, das ich heute gemacht habe. So wie ich sie hier fotografiert habe, lag sie heute den ganzen Tag, ohne sich zu rühren.
|